Mit Josep-Maria Balanya aus Barcelona war uns in diesem Jahr der erste Musiker
im künstlerhaus beschert. Sein Metier waren Klang- und Geräuschkompositionen,
die er im Rahmen der "Offenen Ateliers" und eines bemerkenswerten Auftritts,
anlässlich einer Rembrandt-Radierungen-Ausstellungseröffnung im Museum, dem
staunenden Eckernförder Publikum vorführte. Ebenso beeindruckte seine
Naturverbundenheit: Wassertemperaturen von 5° C hielten ihn nicht vom
morgendlichen Bad in der Ostsee ab.
Die Bremer Künstlerin Ute Safrin beschäftigte sich mit dem Arrangement von
Fischgeräuschen am Computer . Dazu fand sie dankenswerte Unterstützung beim
Kieler Marinearsenal, das ihr ein hochsensibles Unterwassermikrofon zur
Verfügung stellte.
Otto Vincze aus dem ungarischen Szentendre arbeitete an Wandinstallationen
(Lichtobjekte, schnittmusterähnliche Draht- und Metallobjekte). Er lebte und
arbeitete ein halbes Jahr in Eckernförde, ebenso wie Verena Köster aus Hamburg,
die sich der künstlerischen Bearbeitung von Tierbildern im Spannungsfeld zu
Text- und Tonmaterial widmete.
Christoph Klimke aus Berlin war im vergangenen Jahr der einzige Vertreter der
literarischen Zunft. Er arbeitete in Eckernförde an seinem Roman "Goya", aus dem
er auch im Juni in der Stadtbücherei las. Seinen Aufenthalt in der Ostseestadt
hat er poetisch in einem Artikel der "Welt" beschrieben.
Im Juni 99 zeigte die Sparkasse Eckernförde eine Dokumentationsausstellung der
im Herbst 98 vom SHkh veranstalteten Aktion "Strandgut" mit dem französischen
Künstler Jean-Patrice Giraud.
Thomas Ahn aus Hannover hatte an seinem Fotocollagenprojekt
"Fenster"
gearbeitet, das anlässlich der "Offenen Ateliers", die auch Verena Köster und
Otto Vincze am 3. Juli mitgestalteten, zu sehen war. Am Abend fand dann das
erste Sommerfest im Hause Ottestraße 1 trotz zeitweiliger Regenunterbrechungen
im Hof und in den unteren Ateliers statt. Etwa 40 Besucher und Gäste nutzten die
Gelegenheit zu Atelierbesuchen und Fachgesprächen.
Marianne Tralau aus Köln fiel ab August im Eckernförder Stadtbild dadurch auf,
dass sie eine 30 Meter lange Stoffbahn an charakteristischen Orten drapierte,
auslegte und platzierte, um sie danach zu fotografieren. Der Hamburger
Konstantin Voit zeigte mit seiner "Malfabrik" die große Bandbreite
künstlerisch-farblichen Ausdrucks mittels verschiedenster Schablonen,
Gil Shachar aus Tel Aviv arbeitete an Büstenskulpturen.
Das 1-monatige Ekely-Stipendium trat im September der Eutiner Künstler
Frank Raendchen an, im Austausch dafür lebte und arbeitete der in Norwegen bestens
bekannte Maler Björn Krogstad im Atelier 4 des Künstlerhauses. Das ursprünglich
1-monatige Stipendium des amerikanischen Künstlers Steven Steinman musste aus
persönlichen Gründen auf das Jahr 2000 verlegt werden.
In diesem Jahr wurde der Bewerbungsschluss für die Stipendien erstmals auf den
31. Mai vorgezogen. Anlass dafür war der damit verbundene größere zeitliche
Dispositionsspielraum für die ausgewählten Kunstschaffenden. Davor war stets am
31.10. einsendeschluss, was dazu führte, dass die Jurysitzung zur Auswahl der
Bewerbungen erst spät im Jahr stattfinden konnte. Die Ausgewählten hatten dann
wenig Zeit, um sich etwa auf einen Stipendienbeginn im Januar oder Februar des
folgenden Jahres einzustellen. Die Anzahl der Bewerbungen betrug im vergangenen
Jahr 124, beinahe doppelt so viel, wie im jahr davor. Der Jury gehörten neben
den kunstsachverständigen Vorstandsmitgliedern des Vorstandes
Jutta Johannsen
und Thomas Schulz auch das neue Vorstandsmitglied
Dr. Uwe Beitz an. Anja Klafki,
Künstlerin aus Kiel, Prof. Peter Nagel (Muthesius-Schule Kiel) und Dr.
Christian Rathke (Landesmuseen Gottorf) ergänzten dieses Gremium. Ausgewählt wurden:
Manfred Wolke, Kiel;
Jörg Hamann, Berlin; Tazro Niscino, Köln/Japan;
Torsten
Hennig, Berlin; Dirk Hupe, Essen;
Petra Schoenewald, Hamburg;
Brigitte Conessa (Nimes/Frankr.;
Manfred Kroboth, Hamburg sowie
Beatrix Wagner und Gerald Eckert aus Essen, die
sich ein 3-Monatsstipendium teilen.
Nach zwei Jahren intensiven Gebrauchs gaben ein Kühlschrank und eine
Waschmaschine ihren Geist auf. Dank eines großzügigen Zuschusses der
Bürgermeisterin konnte Ersatz beschafft werden.
Sven Wlassack
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